Historie des Obsthofs
Der Obsthof wird in 3. Generation bewirtschaftet. Sein Ursprung sind zwei kleine Höfe des Schwiegervaters und der Schwiegermutter, der Name stammt von Herbert Holst, dem Schwiegervater von Ingrid Holst. Die Schwiegermutter ist heute 90 Jahre alt. Sie hat in den 50er Jahren das Wochenmarktgeschäft aufgebaut.1995 erfolgte die Betriebsübernahme durch ihren Sohn Hans-Hermann.
Ingrid Holst 62, ist seit 1992 verheiratet mit Hans-Hermann, sie haben zwei Kinder. Der Sohn Malte 24, hat Obstanbau gelernt und macht zurzeit seinen Meister, den er 2026 in der Tasche haben wird. Er möchte den Hof später übernehmen. Tochter Maren 32, ist verheiratet mit einem Obstbauern und studierte Osteopathin. Sie hilft ihren Eltern 1 x wöchentlich auf dem Wochenmarkt. Ingrid H. hat Gartenlandschaftsbau gelernt und kommt aus einer Familie mit einem Landmaschinenbetrieb. Nach ihrer Lehre arbeitete sie in der
Friedhofspflege und im Betrieb Blume Aktuell. Mit der Heirat kam sie in den Obsthof und lernte den Betrieb bei der Arbeit kennen „learning by doing“. Der Familienbetrieb arbeitet konstant mit fünf Personen: Ingrid, Hans-Hermann, Schwager, Sohn, Tochter – hinzu kommen jeweils zwei Mitarbeiter in der Saison und in der Ernte kommen weitere 14 Mitarbeiter hinzu. Gern nimmt Ingrid gelegentlich auch stundenweise die Mithilfe von Schülern, Studenten und/oder Rentnern für das Wochenmarktgeschäft in Anspruch.
Wie gefiel Ihnen das Marktfest am 20. September 2025 und wie haben Sie die Aktion unterstützt?
Es hat mir viel Freude bereitet meinen Obststand besonders bunt und einladend zu gestalten und hinzugesteuert habe ich selbst gebackenen Zwetschenkuchen und meinen selbst gemachten Erdbeersirup. Dieser wurde mit dem Sekt, den meine Marktkollegin vom Blumenstand nebenan spendierte, veredelt. Wir hatten Stehtische zwischen unseren Marktständen aufgebaut, Kuchen und Sekt gab’s kostenfrei für unsere Besucher, sozusagen als Dankeschön für ihr Interesse. Unser Angebot kam gut an und wir sahen viele „neue Gesichter“, die die Chance nutzten, sich den gesamten Wochenmarkt anzuschauen. Sie nahmen sich Zeit zum Reden und Probieren.
Können Sie sich eine Wiederholung eines Marktfestes vorstellen?
Ja, wir werden im September 2026 erneut durchstarten.
Seit über 20 Jahren sind Sie Obfrau auf dem Harburger Wochenmarkt. Was hat sich in dieser Zeit verändert?
Heute ist unser größtes Problem, dass es immer weniger Kollegen gibt. Hinzu kommt, dass die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement stetig abgenommen hat. Hier in Harburg hatten wir zehn Jahre einen gut funktionierenden Marktverein. Doch im Laufe der Jahre schlief er langsam ein, weil Kollegen in Rente gingen, oder sogar starben und kein Ersatz neu hinzukam. Außerdem gibt es etliche Händler, die den Sinn einer Werbegemeinschaft oder unseres Landesverbands LAGS nicht verstehen wollen oder können. Diese Entwicklung bedauere ich sehr. Ich stehe als Ansprechpartnerin weiterhin gern zur Verfügung, obwohl mein Zeitbudget auch begrenzt ist.
Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Durch Heirat.
Welches Obst verkaufen Sie?
Äpfel und zwar 28 Sorten, wovon der „Wellant“ der Meistverkaufte ist und so viel sei verraten: in Kürze wird es einen neuen zertifizierten Apfel geben! Seit 30 Jahren ist der Obsthof Mitglied in der Züchtungsinitiative Niederelbe, dort setzt man gemeinsam Maßstäbe, die sogar europaweit anerkannt und per Label sichtbar gemacht werden. Als Mitglied können wir zum Beispiel auch über Vertriebswege und Verpackung mitbestimmen. Außerdem bauen wir an: Erdbeeren im geschützten Folienanbau und Gewächshaus. Der Anbau startet im Mai. Kirschen, Zwetschen, Brombeeren und seit sechs Jahren Aprikosen, Nektarinen und Pfirsiche. Ganz neu sind seit einem Jahr Tafeltrauben.
Veredeln Sie das Obst für den Verkauf?
Je nachdem wieviel Zeit ich habe, dann stelle ich Marmeladen und Sirup her.
Was bedeutet Ihre Arbeit für Sie?
Es ist befriedigend, da ich Grundnahrungsmittel verkaufe und damit Menschen versorgen kann. Obst hat so viele Facetten von denen ich berichten, überzeugen und zudem Tipps und Empfehlungen geben kann. Viele Menschen haben Interesse an den Produkten und fragen nach. Der Kontakt zu den Menschen ist vielfältig und erfüllt mich.
Mit welchen beruflichen Themen setzen Sie sich zurzeit auseinander?
Na ja, Büroarbeit usw. – nicht mein Lieblingsthema.
Seit wann sind Sie im LAGS Berufsverband organisiert?
Seit ca. 25 Jahren.
Was erwarten Sie von ihrem Berufsverband?
Dass zum Beispiel Lösungsansätze für wochenmarktspezifische Probleme wie die Maut, Fahrtenschreiber usw. gefunden werden. Und die Kooperation der Mitglieder untereinander ist sehr wichtig. Austausch über neue Ideen, wie Marktzeiten verändern und flexibel auf Markteinflüsse reagieren.
Auf welchen und wie vielen Wochenmärkten arbeiten Sie und wie erleben Sie diese Märkte?
Auf den Wochenmärkten Harburg und Volksdorf.
Was sagen Sie zu dem Versuch KI in der Obsternte einzusetzen?
Die jungen Leute sind neugierig darauf, das konnten wir bei den Norddeutschen Obstbautagen im Frühjahr 2026 erleben. Hier war das Leitthema KI. Wir, die Älteren sehen es etwas kritischer, denn wir bringen unsere wertvolle über Generationen vermittelte Erfahrung ein, außerdem ist der Einsatz von neuer Technik teuer. Das muss man sich auch leisten können und ist damit für kleine Höfe nicht relevant. Es heißt nicht, dass wir moderne Technik ablehnen, so haben wir zum Beispiel einen Spritzcomputer für den Trecker angeschafft, um punktuell die Pflege vornehmen zu können.
Wie läuft das Jahr 2026 für Ihren Betrieb?
Zurzeit befinden wir uns mitten in der Ernte und es läuft alles gut. In diesem Frühjahr spüren wir, dass die Wochenmarktkunden entweder oder kaufen. Ich meine damit, dass sie entweder Erdbeeren oder Äpfel kaufen, nicht mehr beides. Das sind klare Hinweise auf Geldknappheit. Der Verkauf an den Großhandel entwickelt sich immer schwieriger, da das Ausland günstiger anbietet, dadurch bleibt das deutsche Qualitätsobst auf der Strecke. Durchgängig spiegelt sich unser Problem der hohen Lohn- und Energiekosten und der gewaltige Dokumentationsaufwand.
Haben Sie Freude an ihrem Beruf und würden ihn wieder wählen?
Ja, ich habe Freude an diesem Beruf, aber wenn ich nochmals wählen dürfte: Ich bin eigentlich Gärtnerin und fühle mich wohl wenn ich anpflanzen, pflücken und Unkraut zupfen kann, zudem gestalten ich einfach gern. In meine heutige Arbeit bin ich ja sozusagen hineingeraten, die ich gern mache, bis auf die Büroarbeit, das ist Strafarbeit pur!
Würden Sie jungen Menschen zu diesem Beruf raten?
Man muss sich klar machen, dass 12 – 14 Stunden tägliche Arbeit normal sind. Den eigenen Freiraum muss man sich erkämpfen. Mit einer Work-Live-Balance Vorstellung kommt man hier nicht weit, aber die Belohnung steckt in der befriedigenden Arbeit, denn mit unserem Angebot Obst sind wir sehr begehrt.
Wie schätzen Sie die Zukunft der Wochenmärkte in 10 Jahren ein?
Der Wochenmarkt wird immer gefragt bleiben, besonders wenn es die Verbindung zum Erzeuger gibt, wie bei uns. Wir bieten aufschlussreiche Informationen und wir bieten Produkte an, die es nicht im Supermarkt zu kaufen gibt. Vielleicht werden die Verbraucher von morgen noch komprimierter einkaufen, zum Beispiel in Richtung Wochenendeinkauf, aber darauf können wir uns einstellen, außerdem bieten wir das besondere Einkaufsflair, ebenso wie Kunsthandwerkermärkte, oder Flohmärkte.
Was bedeutet geschäftlicher Erfolg für Sie und hatten Sie einen Förderer/Unterstützer?
Freude an der Tätigkeit. Unterstützt wurden und werden wir durch die Familie.
Ganz persönlich… haben Sie noch Zeit für ein Hobby?
Also, ich habe keinen großen Urlaubsbedarf, aber einige Hobbys; nämlich Singen im Kirchenchor, Basteln und meinen Hausgarten, hier bekomme ich einen freien Kopf. Meine Lieblingsmusik gibt es nicht, ich bin offen für viele Richtungen. Zum Bücher-Lesen, komme ich zeitlich nicht.
Mit wem würden Sie gern mal über „Gott und die Welt“ diskutieren bzw. wen würden Sie gern mal kennenlernen?
Helmut Schmidt hätte ich gern kennengelernt, seine Geradlinigkeit. Er fasziniert mich und für das Lesen seiner Bücher hatte ich sogar Zeit, sagt sie lächelnd.
Haben Sie einen Wunsch, eine Vision für die Zukunft?
Ja, Gesundheit und Frieden, damit wir so weiter machen können wie bisher, denn wenn bei uns nur Eine, oder Einer ausfällt wird es schwierig. Nachdenklich: Angst macht mir, dass der Weltfrieden ins Schwanken geraten ist und damit so viele Probleme auf uns zu kommen können.
Die Gespräche führte Barbara Gitschel-Bellwinkel 22.10.2025 und 01.06.2026
Fotos©Barbara Gitschel-Bellwinkel

