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Volksfeste

Von Süßem und Elektrischem

Volksfeste

Ein Gespräch mit Bernd Simon, Schausteller und Urgestein im Landesverband des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller Hamburg e.V.
Wie kam es denn dazu? Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Ist ja schon etwas her, sagt Bernd Simon lachend, dass wir - meine Frau und ich - mit unserem 10 m Hänger auf norddeutschen Jahrmärkten unterwegs waren. Selbstgemachte Süßigkeiten wie Kokosflocken hatten wir im Angebot und lagen damit genau richtig bei unseren Kunden.
Ich bin gelernter Elektroinstallateur und habe die Stromversorgung auf Jahrmärkten gemacht. Mit der Schaustellerei habe ich erst im Alter von 30 Jahren begonnen. Auslöser war meine Frau, die ich auf dem Jahrmarkt bei meiner vorherigen Arbeit kennengelernt habe. Sie hatte schon einen Betrieb mit einem kleinen Zuckerwagen und gemeinsam haben wir dann 1980 losgelegt.

Was bedeutete Ihre Arbeit als Schausteller für Sie?
Zunächst mal Geld verdienen – auch mit dem Gedanken an eine ordentliche Altersversorgung. Doch gleich danach kommt der Spaß, Spaß mit Menschen zu arbeiten und für das Gewebe zu kämpfen.
Mit welchen beruflichen Themen setzen Sie sich zur Zeit auseinander?  
Seit 1974 bin ich im Landesverband aktiv und seit 1980 im erweiterten Vorstand und Vorstand und zwar kontinuierlich bis heute. Daher landen alle aktuellen Themen des Landesverbands und unserer WAGS GmbH auf meinem Tisch. So kontrolliere ich Geldgeschäfte, sorge für die Werbung unserer Volksfeste, betreue eigene Veranstaltungen der WAGS und sichere die Infrastruktur auf unseren Wochenmärkten; also vom Wasser über Strom bis hin zu Verträgen.
Was erwarten Sie heute von ihrem Berufsverband?
Vom Wochenmarkthändler erwarte ich mehr Interesse und Engagement für den Verband. Die Schausteller haben ein etwas anderes und größeres Grundinteresse.
Haben Sie Freude an ihrem Beruf und würden ihn wieder wählen?
Ja, die Schaustellerei hat mir immer viel Freude gemacht! Die Verbandsarbeit auch, schlaucht aber inzwischen etwas.
Würden Sie jungen Menschen heute zu dem Beruf des Schaustellers raten?
Ja und nein, altersmäßige Absicherung ist heute eher unklar. Ich konnte es ja mit Lebensversicherungen gut hinbekommen. Früher lebte eine Familie gut von ihrem Einkommen auf den Märkten. Heute werden weitere Zweigbetriebe benötigt und gegründet, damit das Einkommen reicht, außerdem wird der Druck auf die Schausteller (sich Plätze zu sichern) immer größer. Übrigens Schaustellerkinder bleiben meistens unter sich, sie wählen den Weg, die Arbeit, des geringsten Widerstands und schlüpfen einfach in die Schuhe der Eltern, deshalb gibt es so viele Schaustellerfamilien in Generationenfolge. Die Kinder der Wochenmarkthändler sind etwas offener, haben mehr Kontakte nach außen und orientieren sich um, somit bleibt die Nachfolgeregelung aus.
Wie schätzen Sie die Zukunft der Volksfeste in 10 Jahren ein?
Es wird sie weiter geben, aber etwas anders als heute. Man wird die Volksfeste auf die Wünsche junger Familien ausrichten. Früher wurden zum Beispiel von dem Angebot des Hamburger Doms eher Jugendliche angesprochen.
Ebenso werden die Großveranstaltungen wie in Hamburg der Hafengeburtstag bleiben, wobei aber die Besucher nicht mehr Geld ausgeben.
Wenn eine Kleinfamilie heute auf den Dom geht, kommt sie mit 100 Euro nicht weit, anders ist es beim Besuch eines kleinen Volksfestes. Dort gibt es nicht 30, sondern vielleicht 2 Karussells zur Auswahl. Für die Schausteller bedeutet diese Umverteilung auch ein Verlust in der Entwicklung ihrer Vielfalt, denn wo weniger Geld verdient wird, wird auf anderer Seite gespart und kann nicht groß investiert werden.
Wie erlebten Sie als Schausteller Hamburg?
Der Standort war für unser Angebot immer wichtig! Durch unsere Teilnahme auf vielen Märkten angefangen beim Fischmarkt, über Festmärkte bis hin zu Volksfesten haben wir Hamburg mit geprägt und somit war es ein wertvoller Standort für unser Gewerbe.

Haben Sie einen Wunsch, ein Ziel, eine Vision?
Ja, noch schön leben und dass es für die Schausteller und Wochenmarkthändler weiter geht und alle ihr Auskommen haben.
...und privat, verraten Sie Ihr Hobby?
Mein Hobby war und ist die Verbandsarbeit. Hinzu kommen neuerdings noch Kurzreisen mit meiner Frau, Radfahren und Schwimmen.
Meine Lieblingsmusik ist...
Rockn’Roll.
Meine Lieblingsfilme sind...
Krimis und die NDR Landpartie mit Heidi Götz.
Ich lese am liebsten...
die regionale Presse.

Vielen Dank für Ihre Antworten. Das Gespräch führte Barbara Gitschel-Bellwinkel.
Anmerkung der Redaktion: Bernd Simon war bis zum 25.Februar 2019 im Vorstand des Landesverbands tätig. Die Mitglieder hoffen, dass er inoffiziell auch weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung steht.

Zu den Motiven:
Man sieht es ihm an - Bernd Simon hat und hatte stets Spass an seiner "Berufung".

Fotos©Barbara Gitschel-Bellwinkel

3 Suppen sind genug!

Volksfeste

Maurice Morell hat die Suppen für sich und damit später auch für seine Kunden entdeckt. Das ist im Prinzip noch nichts Besonderes, aber sein Werdegang, das Umfeld und die Verarbeitung sind speziell. Morell ist Jahrgang 1960, aufgewachsen in einem Künstlerhaushalt in Worpswede, in der Nähe von Bremen. Seine Eltern machten mit ihren vier Kindern ab der 71er Jahre regelmäßig Urlaub auf Sylt. Hier suchten und fanden sie das damalige "Syltfeeling zwischen Kunst, Kommerz und das alles in einzigartiger Natur". So wurden die Weichen für den jungen Maurice schon früh in

Richtung Nordseeluft gestellt. Doch zunächst engagierte er sich in vielen Berufen, als Grafik-Designer in der Werbung und beim TV, später mehr in PR Bereich, oder er übernahm ein Feinkostgeschäft in Hamburg, führte ein Gäste-und Seminarhaus an der Schlei und folgte vor ca. sechs Jahren dem Ruf seines Bruders auf die Insel Sylt. Der arbeitete schon etliche Jahre als Metallbauer auf der Insel und brauchte dringend Hilfe bei der Restaurierung des Kampener Quermarkenfeuer (Leuchtturm) Rotes Kliff. Schnell konnten die handwerklich begabten Brüder diesen Auftrag erledigen. Maurice war inzwischen ebenfalls auf Sylt heimisch geworden und jobbte am Strand und in der Gastronomie, half aus und beriet besonders gern Menschen, die ihn – eher zufällig – um Rat fragten. Und wenn er keine direkte Lösung anbieten konnte, dann machte er sich selbst zum Fremdenführer und half einfach dort, wo er gebraucht wurde. Sein heutiges Lebenskonzept konnte sich so verfestigen:
"Ich habe Freude an den Dingen, die ich mache und bin sehr gern bodenständig. Auf Dienstleistung hatte ich immer schon Lust, mag gern improvisieren und bin Gastgeber von Haus aus. Das haben mir meine Eltern schon sehr früh beigebracht." Sicher half ihm zudem auch die gute Beobachtung der Gastronomie-Szene und die Analyse von Trends. Während sich viele Menschen an sogenannten Hot-spots, mit den zur Zeit klassischen Angeboten tummeln, gibt es auch die stillen Genießer, Naturliebhaber und Wanderer, die abseits dieser Spots unterwegs sind. Und wie kam es nun zu den Suppen? "Eigentlich ganz einfach, ich koche gern Suppen und Eintöpfe", erzählt Maurice Morell mit leuchtenden Augen. Was lag also näher, als diese Passion der "leisen Zielgruppe" anzubieten. Doch der Reihe nach:
Morell entdeckte eine alte, transportable Feldküche und restaurierte sie liebevoll. Jedes Detail ist hier wohl durchdacht platziert und hat seine eigene kleine Geschichte: von der Gold bemalten Suppenkelle, die als Glücksbringer im Wagen baumelt, über eine mit Baumwollstoff gestickte Regalummantelung oder der alte, beleuchtete Globus den er von einem Recyclinghof gerettet hat. Daneben die professionellen Küchengeräte, die er zur Herstellung seiner Suppen benötigt. Ganz wichtig sind ihm die Zutaten für seine Suppen: es werden nur frische Produkte aus der Region verwendet – und falls die Zutaten aufgebraucht sind, verkauft er lieber mit Nein, als das ein "unwürdiger Ersatz" im Topf landet. Prinzip ist Prinzip, genauso sieht er sein Getränkeangebot. Keine Schickimicki-Modegetränke, sondern was die direkte Umgebung bietet, nämlich auf der Insel gebraut und gewonnen, Sylter Bier und Wasser von der Syltquelle. Woher kommen die Rezepte für die Suppen?
"Ich bin kein Koch, habe also viel recherchiert und auch mal bei meiner Mutter nachgehakt. Daraus ist eine große Sammlung von Rezepten entstanden. Meine On-top Variationen komponiere ich jeweils hinzu, selbstverständlich verwende ich dabei auch das Sylt Salz für die Würzung. Ich habe sämtliche Zutaten von Hunderten von Suppen im Kopf, kann auf vegane Wünsche eingehen, oder Allergiker beraten". Und nun fragt sich natürlich wie Morell zu einem Standort in List auf Sylt kam, ohne direkte Schausteller- oder Wochenmarktkollegen neben sich zu haben. Ein Glücksfall, beschreibt er selbst die Situation. Denn seine Suppenküche steht (seit Sommer 2018) an einem Parkplatz, nahezu eingebettet in kleine Dünen, und geschützt von umliegenden Häusern, die seit eh und je als Gastronomieflächen ausgewiesen sind. Rund um die Suppenküche finden die Gäste einige gemütliche Sitzplätze für Genuss- und Rückzugsmomente.
Ja, seine Küche steht auf Rädern und ist auch mobil, doch sein Cateringangebot regelt Maurice Morell mit einem VW Bus, in den er eine ausschiebbare Kleinversion der Suppenküche gebaut hat. So ist er schnell abrufbereit für Feste und Veranstaltungen. Und nun stellt sich noch die Frage, wieso gibt es denn nur drei Suppen?
"Also, es liegt daran, dass ich regional und saisonal koche, aber insbesondere habe ich festgestellt, dass Menschen bei mehr als drei Angeboten überfordert sind! Die Entscheidung fällt ihnen mit jedem weiteren Angebot schwerer." Eine plausible Erklärung, die zu dem Gesamtbild und Angebot des freundlichen Maurice Morell passt, der sich selbst gern treu ist und dem Kunden so eine besondere Authentizität vermittelt.
Zu finden ist Morell mit seinen Sylter Suppen in der Dünenstraße 1, im Sylter Dünenhof in List (hinter Sylter Eismanufaktur, Mylin, Stephan Boya und Bo Dünenstrauss).BGB

Zu den Motiven:
Eine goldene Suppenkelle als 
Maskottchen. 
Barbara Gitschel-Bellwinkel im Gespräch mit Maurice Morell. 
Originelle Accessoires schmücken die alte Feldküche.
Porzellanschalen für die Suppen, ist doch klar!
Maritime Deko für die Aussenwand der Suppenküche.
Fotos©Barbara Gitschel-Bellwinkel und Karl-Heinz Runge

Über Ballons und Schauspielerei - im Gespräch mit Lorenzo Basso

Die italienische Familienlegende der "Bassos"

Volksfeste

Der Italiener Lorenzo Basso (Jahrgang 56) wuchs als Einzelkind auf. Lorenzo wurde schon als Knirps in das Familienunternehmen eingebunden, was ihm große Freude bereitete. Nach der absolvierten mittleren Reife startete er sofort in das Ballon-Geschäft. Das Handwerk hat er von seinem Vater gelernt und auch das Wissen darum, dass ein guter Platz auf dem Jahrmarkt das A+O ist. Inzwischen ist er

seit 55 Jahren erfolgreich selbständig, genau wie seine Familie zuvor, sein Vater Bacci und sein Großvater Giacomo. Lorenzo Basso ist verheiratet mit der gelernten Erzieherin Dietlind (Jahrgang 59). Sie wohnen in Itzehoe und haben gemeinsam eine Großfamilie mit zehn Kindern, acht Mädchen zwei Jungen im Alter von 43 bis 22 Jahren. Die Kinder sind in verschiedenen Berufen unterwegs als Lehrerinnen (3x), Biologin, Maklerin, Ingenieur, Erzieherin, Reiseverkehrskauffrau, als Hausfrau und der jüngste Sohn wird in Kürze in Brasilien in der Entwicklungshilfe arbeiten. Es gibt also keinen Nachwuchs für Lorenzo Bassos Ballon-Geschäft!!! Und die acht Enkel sind noch zu jung für derartige Überlegungen.  Wenn die Familie zusammenkommt wie neulich zu seinem Geburtstag, werden es schnell 40 Personen, die von Mutter Dietlind bekocht werden.
Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Durch meine Familie. Wir sind seit 1834 am Markt und damit der erste Ballon-Familienbetrieb. Meine Familie kommt aus Italien, als dort die Jahrmärkte nicht mehr so gut liefen, wanderten sie mit dem Geschäft nach Deutschland aus und verkauften seit 1834 Ballons und ihr selbst hergestelltes Spielzeug. Das Spielzeug fertigten meine Großeltern um 1850 in Italien her. Und zwar insbesondere Windmühlen und Äffchen, die dann per Eisenbahn nach Deutschland zur Familie gesandt wurden, um auf Märkten verkauft zu werden. Nach dem 2. Weltkrieg fingen meine Eltern an, Spielwaren zuzukaufen. Meine Mutter hatte inzwischen einen VW-Bus organisiert und belud ihn z.B. mit Puppen von einem Hersteller aus Sizilien, um dann mit der Ladung nach Hamburg zu fahren. Meine Mutter war sehr geschäftstüchtig und dazu extrem sparsam!
Die italienischen Ballons waren zunächst aus Gummi, die vor Ort in Leim getaucht wurden, dann bekamen sie Glanz. „Ein schrecklicher Schweinkram, aber es kam gut an bei den Leuten“, berichtet Lorenzo. Heute sind die Ballons aus Alufolie und werden seit den 80er Jahren mit Helium gefüllt. Sie halten länger und lassen sich wieder befüllen. Früher gab es nur „Ballon-Herzen und den Ballon-Delphin“ ohne Aufdruck, heute gibt es eine große Auswahl an Formen und Motiven, die gerade bei den Kindern beliebt sind. Jedes Jahr kommen neue Motive hinzu.
Sind die Ballons umweltfreundlich?
Ich zahle Entsorgungsgebühr beim Kauf der Ballons und zwar nach Kilogramm. Falls ein auf dem Jahrmarkt verkaufter Ballon an Kraft verliert kann man ihn sich im Einzelhandelsgeschäft aufblasen lassen, das kostet ca. 2 Euro, oder bei mir auf dem Jahrmarkt, dann kostet es nichts für meine Kunden. Ich importiere Ballons ausschließlich aus Italien, da ich nur Qualitätsware verkaufe, denn China-Ballons taugen nichts, bemerkt er. Spielwaren kaufe ich heute weltweit dazu und zwar seit den 2000er Jahren. Übrigens mein Opa Fernando lief bis 1958 als Leierkasten-Mann durch Hamburg.
Was bedeutet Ihre Ballon-Arbeit für Sie?
Sie ist mein Leben! ich freue mich, wenn das Wetter gut ist, habe Spaß an der Arbeit, bin penibel, andere lachen darüber und habe außerdem ein gutes Durchstehvermögen.
Mit welchen beruflichen Themen setzen Sie sich zurzeit auseinander?  
Mit der Kartenzahlung, zum Glück sind meistens Geldautomaten in der Nähe meines Ballon-Standes. Ich persönlich zahle immer in bar, bin sehr traditionell, habe übrigens auch nur ein altes, großes Handy! Außerdem besorgt mich mein Umfeld, die Weltlage, ich habe Bedenken wegen der Kriege.
Sind sie in einem Berufsverband organisiert?
Seit 30 Jahren im Landesverband des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller Hamburg e.V. und vorher war ich im Schaustellerverband 1884 Hamburg e.V.
Auf wie vielen Volkfesten arbeiten Sie? 
Früher waren es 20 Jahrmärkte pro Jahr, heute noch 13 – 14.
Haben Sie Freude an ihrem Beruf und würden ihn wieder wählen?
Ja, ich liebe ihn, finde es schön auf dem Jahrmarkt zu sein.
Würden Sie jungen Menschen zu diesem Beruf raten?
Ja, aber sie müssen sich auf Folgendes einstellen: die gesamte Arbeitszeit zu stehen, aufwändige Vorbereitung, es ist ein komplexes Ding, jedes Wochenende unterwegs sein, eben arbeitsintensiv. Man muss Lust dazu haben und Menschen-Massen abkönnen. Ich stehe zum Beispiel mittendrin im Gang, das wird von Kollegen bewundert; es ist manchmal hart, man muss einfach ruhig bleiben, wenn es eng wird, sagt Lorenzo grinsend.
Warum will keines Ihrer Kinder den gut laufenden Betrieb übernehmen?
Früher hatten die Jahrmärkte einen hohen Stellenwert, heutzutage ist es schwieriger geworden. Es ist schwere Arbeit, viel zu schleppen und sehr wetterabhängig. Ich bin froh, dass meine Kinder andere, gute Jobs haben.
Helfen ihre Kinder manchmal denn trotzdem beim Verkauf der Ballons?
Ja, meine Söhne.
Haben die Frauen ihrer Familie damals auf den Jahrmärkten mitgearbeitet, also verkauft?
Meine Mutter war die treibende Kraft, sie hat mitverkauft. Meine Eltern waren sehr fleißig und sparsam. In den Wirtschaftswunderjahren lief das Ballon-Geschäft gut.
Braucht man Lagerfläche für das Ballon-Geschäft?
Ich habe einen 1 x 4 m Anhänger und eine Garage, das langt. Den Einkauf mache ich 1-2 Wochen im Voraus vor Jahrmarktbeginn. 
Auf etlichen Archivfotos sieht man Sie als Schauspieler, wie kam es dazu?
Ja, und es hat mir sehr, sehr viel Spaß gebracht - ich spielte z.B. mit in "Stunde des Wolfs", mimte einen Leibwächter, der erstochen wurde. In "Das Milliardenspiel" spielte ich neben Ulrich Tukur. Sogar in einer Hauptrolle konnte man mich erleben in "Signorina Mafoldo" als Waffenschmuggler und Gastronom. Zur Schauspielerei bin ich quasi durch den anderen Teil meiner Familie gekommen. Mein Onkel ist der Gastronom des Kult-Lokals Cuneo. Dort lernte ich Regisseure und Schauspieler kennen. Das Cuneo,1905 gegründet von meinem Onkel Francesco Alessandro Cuneo, ist der älteste Italiener in Hamburg, in der Davidstraße 11. Heute geleitet von Tochter Franca, in vierter Generation. Im Mai feierte unsere Familie 120 Jahre Cuneo!
Gute sieben Jahre habe ich nebenher geschauspielert. Es ist aber auch ein hartes Geschäft und schwierig, an neue Rollen zu kommen, dazu ist der Dreh dann zeitaufwändig und ich habe ja mein Ballongeschäft, auf das ich mich dann konzentrierte.
Wohnen Sie eigentlich in einem Palast, oder wie wohnt man mit zehn Kindern im Haus?
Ich habe geerbt und konnte ein großes Haus kaufen. Jedes Kind hatte mit Beginn der Pubertät einen eigenen Bereich, nach dem Prinzip des Aufrückens hat es wunderbar geklappt.
Sprechen Sie italienisch und wie sprechen Sie zu Hause?
Ja, ich spreche neben italienisch noch Alt-Genuesisch, ein uralter Dialekt aus Genua, der langsam ausstirbt. Das kam dadurch, dass ich bei meiner Oma lebte, wenn meine Eltern auf Jahrmärkten unterwegs waren. Zwei meiner Kinder sprechen etwas italienisch. Meine Frau spricht nicht italienisch und so wird in der Familie deutsch gesprochen.
Haben Sie noch Verwandte in Italien?
Ja, ein Neffe, er ist Notar und Rechtsanwalt – inzwischen sind leider viele Verwandte gestorben.
Was verbindet Sie mit dem Land?
Ich war früher immer gern in Italien, durch meine eigene Familie hier in Deutschland wurde es im Laufe der Jahre weniger.
Wie schätzen Sie die Zukunft der Volksfeste in 10 Jahren ein?
Die Besucherzahlen sprechen dafür, dass es weitergeht und ich persönlich bleibe dabei, solange es geht.
Müssen Fahrgeschäfte immer größer, höher, schneller werden?
Die Leute wollen immer wieder Neues. Für die Schausteller ist es unternehmerisches Risiko, aber die Abwechslung wird gewünscht und
Vielfalt tut ja auch gut.
Was bedeutet geschäftlicher Erfolg für Sie? 
Wenn am Sonntag die Sonne scheint, von 14 bis 20 Uhr, das ist nämlich meine Hauptgeschäftszeit, dann läuft‘s wie am Schnürchen….
Haben Sie einen Wunsch, ein Ziel, eine Vision?
Ja, noch ein paar Jahre gesund bleiben. Wenn ich keine Lust mehr zur Arbeit habe, komme ich zu Besuch auf den Dom und werde alte Bekannte treffen.
...und privat, verraten Sie uns Ihr Hobby?
Ich schaue gern Dart im TV und spiele Kniffel. Viel Freude bringt mir mein Kniffel-Turnier mit den großen Kindern.
Meine Lieblingsmusik kommt von den Rolling Stones.
Vielen Dank für das interessante Gespräch und alles Gute für das Ballon-Geschäft und für die Großfamilie. BGB April-Mai 2025

Zu den Motiven
Oben 2. Seite Lorenzo Basso als Knirps (Archiv Basso) unten Ballon-Stand auf dem Hamburger Dom
Fotos©Barbara Gitschel-Bellwinkel

 

Mit großer Freude präsentiert Oliver Binikowski den Stapellauf eines Buddelschiffs

Der maritime Botschafter und weltweit einzige Hersteller von Buddelschiffen

Volksfeste

Oliver Binikowski, 54, wuchs mit zwei Brüdern in Hamburg auf. Der ältere Bruder (1953 – 2016) brachte ihn zu den Buddelschiffen. Bereits mit fünf Jahren spielte und lernte er von Bruder Jochen, der seine Fa. Buddel-Bini 1976 gründete, die ersten Schritte des Buddelschiffbaus. Die Firma wird heute von dessen Frau und deren Töchtern weitergeführt. Oliver B. ist gelernter Bankkaufmann und arbeitete einige Jahre in diesem Beruf bis er 1996 das Angebot bekam, "ELBUFER" in der Dietmar-Koel-Str. 32 zu übernehmen. Wie der Name ankündigt bietet ELBUFER maritimes Kunsthandwerk, maritime Antiquitäten und Hamburg-Souvenirs. Im Laufe der Jahre baute er das Geschäft aus und es kamen weitere Läden, der Großhandel und das Online-Geschäft hinzu.
Nach der schwierigen Coronazeit hat sich Oliver B. auf seinen Stammladen konzentriert. Neu hinzugekommen ist die "Buddelschiffpräsentation" bei der Veranstaltungsreihe "Hamburger Fischmarkt auf Reisen". Zunächst konnte ich der Idee gar nichts abgewinnen, erzählt er schmunzelnd, aber inzwischen empfindet er große Freude, wenn er einem interessierten Publikum den Bau des Buddelschiffs zeigt. Seit 2023 ist Oliver B. Publikumsmagnet bei der WAGS Veranstaltungsreihe "Hamburger Fischmarkt auf Reisen" in vielen Städten.


Wie sind Sie zu ihrem heutigen Beruf gekommen?
Durch meinen älteren Bruder, der mich schon als Kleinkind in seine maritime Welt mitnahm und mir alle Kniffe und Tricks mit Buddelschiffen beibrachte.
Mit der Übernahme von Elbufer konnte ich mir meinen Herzenswunsch erfüllen. Ausstieg aus der recht trockenen Angestelltenwelt der Bank und hinein in die Selbständigkeit. Übrigens sind wir heute mit der Fa. meines Bruders die einzigen Buddelschiff-Hersteller weltweit.
Hatten Sie Bedenken bei dem Sprung in die Selbständigkeit?
Nein, denn ich möchte das tun was mir Freude macht und mir persönlich nicht vorwerfen, dass ich den Sprung dorthin verpasst habe. Ich habe mich also gefragt, ob ich als reicher Mann oder als zufriedener Mann irgendwann von dieser Welt scheiden möchte. Da Geld für mich nicht ausschlaggebend bzw. wichtig ist, war die Entscheidung eindeutig.
Wie kamen Sie denn zu der Veranstaltungsreihe Hamburger Fischmarkt auf Reisen?
Eines Tages stand Anne Rehberg in meinem Laden und suchte nach besonderen maritimen Geschenken. Im Gespräch stellte sich schnell heraus, dass sie die Organisatorin des Fischmarkt Events von der WAGS ist. Ihr Interesse war sofort geweckt, als sie mehr von meiner Historie mit den Buddelschiffen erfuhr und schwupp war ich gebucht für die erste Fischmarktreise, das war 2023, nach Aschaffenburg. Dort durfte ich meinen Buddelschiffbau vor großem Publikum präsentieren.
Was bedeutet Ihre so vielfältige Arbeit für Sie?
Freude und Zufriedenheit mit dem was ich mache.
Bei meiner Präsentation des Buddelschiffbaus erhielt ich sogar Beifall, das machte mich zunächst sprachlos vor Überraschung, aber dann auch sehr glücklich und zufrieden!
Mit welchen beruflichen Themen setzen Sie sich zurzeit auseinander?  
Sehr gern mache ich neue lokale Lieferanten ausfindig, die mit großem Enthusiasmus ihre Produkte entwickeln und nehme sie in mein maritimes Angebot auf. Wenn dann die Käufer zufrieden sind und sich bestenfalls zu Stammkunden entwickeln, ist meine Lieferkette perfekt! Zu den negativen beruflichen Themen zählt die zunehmende Reglementierung im Einzelhandel und im Onlinehandel. Das ist leider gar nicht schön, und so werde ich mich in Kürze im Onlinehandel anders aufstellen.
Würden Sie Ihren heutigen Beruf wieder wählen?
Als Neustart nein, denn der Start wäre negativ. Ich meine damit, es war früher einfacher in den Handel zu starten, heute sind die auferlegten Hürden sehr hoch, insbesondere für kleine Betriebe. Und so geht es dann immer weiter, sei es die Verpackungsverordnung oder zum Beispiel der Kauf einer elektronischen Waage, die mal eben 4.000 Euro kostet. Muss man sich schon genau überlegen, ob man sich das alles leisten kann!
Könnten Sie sich vorstellen auf Jahrmärkten unterwegs zu sein mit ihren maritimen Artikeln?
Nein. Mit Vorführungen gern, und fügt nach kurzer Überlegung hinzu, doch auf maritimen Veranstaltungen wie Hafenfesten kann ich es mir vorstellen.
Würden Sie jungen Menschen zu einem ähnlichen Berufsweg raten?
Ich möchte nicht raten, sie sollen aus freien Stücken entscheiden, wohin sie der Weg führt. Meiner heute sechsjährigen Tochter würde ich später alles anbieten, aber es niemals von ihr verlangen.
Wie schätzen Sie die Zukunft der Veranstaltungsreihe "Hamburger Fischmarkt auf Reisen"ein?
Diese Veranstaltungsreihe wird immer laufen, denn die Besucher empfinden Hamburg als positiv und weltoffen, das sind starke Anziehungsattribute. Es müssen nicht mal extravagante Essensangebote entwickelt werden, denn "guter Fisch" als Basis langt. Was sich in Sachen Rahmenbedingungen für die teilnehmenden Betriebe abspielen wird, vermag ich nicht einzuschätzen.

Was bedeutet geschäftlicher Erfolg für Sie? 
Wenn ich ein Produkt verkaufe, das ehrlich mit viel Herzblut entstanden ist, und wenn alle, die am Handel beteiligt sind, am Ende zufrieden sind, einschließlich der Kunden.
Wie erleben Sie die Atmosphäre beim "Hamburger Fischmarkt auf Reisen"?
Die Atmosphäre ist gelassen maritim. Die Besucher und die Aussteller genießen sie spürbar. Toll wie die Kollegen des Fischmarkts mich als den Neuen aufgenommen und akzeptiert haben. Bei den Besuchern habe ich bemerkt, dass sie sehr interessiert sind, viel fragen und sogar zu erkennen geben, bei unserer nächsten Tour wieder zu kommen.
Haben Sie einen Wunsch für die Zukunft?
Ja, ich möchte gern noch lange weitermachen wie bisher; gern etwas entspannter als Selbständiger mit weniger Reglementierung und schließlich wünsche ich mir, dass bald wieder positivere Gespräche zustande kommen.
Mit wem würden Sie sich denn dann gern mal über Gott und die Welt unterhalten?
Mit Peter Ustinow, doch das ist ja leider nicht mehr möglich. Er war ein sehr gescheiter Weltbürger, der überall hin passte!
Haben Sie neben Ihrem Beruf und den Buddelschiffen noch ein Hobby?
Er ist dunkelblau, mein geliebter Citroen DS Baujahr 1974!

Vielen Dank für das inspirierende Gespräch und die Einblicke in Ihre typisch hamburgische Buddelschiff-Welt. BGB 2025

Zu den Fotos:
oben "Der Buddelschiffbau ist ein filigranes Handwerk", mittig "Oliver Binikowski in seinem ELBUFER"
Fotos©Barbara Gitschel-Bellwinkel

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